Wer wartet auf dich? Claude sortiert deine Nachrichten
Hunderte ungelesene Nachrichten sind nicht das Problem. Das Problem ist die eine Person, die seit vier Tagen auf deine Antwort wartet, und du findest sie nicht.
Hier ist der komplette Ablauf aus dem Beitrag: wie du Claude an deine Nachrichten lässt, welche Frage du stellst, wie aus langen Gruppenchats drei Sätze werden und wie Claude Antworten vorschreibt. Am Ende steht der Morgen-Auftrag zum Kopieren. Das Prinzip ist immer gleich: Claude liest, sortiert und entwirft. Du prüfst und schickst ab.
Stand: Oktober 2026. Die Connectors habe ich im offiziellen Connector-Verzeichnis von Anthropic nachgeprüft (claude.com/connectors), die WhatsApp-Schritte und Grenzen in aktuellen Anleitungen. Menüs in Claude sind teils auf Englisch und können je nach Version leicht anders heißen.
Schritt 1: Claude an deine Nachrichten lassen
Für Mail, Teams und Slack gibt es offizielle Verbindungen in Claude, sogenannte Connectors. Für WhatsApp gibt es keine. Dort nimmst du den Export.
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Mail und Teams verbinden
In Claude unter Customize › Connectors (in älteren Versionen Settings › Connectors) auf das Plus und deinen Anbieter wählen:
- Microsoft 365 (Outlook, Teams, OneDrive, SharePoint): Ein globaler Microsoft-Administrator deiner Firma muss einmal zustimmen. In vielen kleinen Firmen bist das du selbst. Danach liest Claude Mails und Teams-Chats. Standardmäßig ist der Connector nur lesend, und für diesen Ablauf reicht das.
- Google (Gmail): verbinden, mit deinem Google-Konto anmelden, fertig. Claude liest Mails und kann Entwürfe anlegen.
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Slack verbinden
Im selben Menü den Connector Slack wählen und deinen Workspace freigeben. Je nach Einstellung deines Workspace muss ein Slack-Admin die Verbindung erst erlauben.
Wichtig: Der Slack-Connector kann laut Verzeichnis auch Nachrichten senden. Deshalb kommt gleich die Bremse.
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Die Bremse setzen
Unter Customize › Connectors beim jeweiligen Connector die Berechtigungen (Tool permissions) öffnen. Alles, was sendet, löscht oder teilt, stellst du auf Blocked. Lesen und Entwürfe anlegen dürfen auf Always allow.
So kann nichts versehentlich rausgehen. Abschicken tust du selbst, aus deinem Postfach oder deinem Chat.
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WhatsApp: Chat exportieren
Für WhatsApp gibt es keine offizielle Verbindung zu Claude. Der saubere Weg ist der Export, Chat für Chat:
- Android: Chat öffnen, oben rechts die drei Punkte, Mehr › Chat exportieren.
- iPhone: Chat öffnen, oben auf den Namen des Kontakts oder der Gruppe tippen, ganz unten Chat exportieren.
- Dann „Ohne Medien“ wählen und die Datei an dich selbst schicken oder speichern.
Du bekommst eine Textdatei (.txt) mit dem Verlauf. Die ziehst du einfach in den Claude-Chat. Kommt auf dem iPhone eine ZIP-Datei, entpackst du sie zuerst und nimmst die Textdatei darin.
Ohne Medien exportiert WhatsApp bis zu 40.000 Nachrichten, mit Medien nur die neuesten 10.000. Für Zusammenfassungen brauchst du keine Bilder, deshalb immer „Ohne Medien“.
Finger weg von inoffiziellen WhatsApp-Brücken. Im Netz gibt es Programme, die Claude direkt an dein WhatsApp hängen, indem sie sich wie WhatsApp Web anmelden. WhatsApp erlaubt inoffizielle Programme in seinen Nutzungsbedingungen nicht, und Meta hat dafür schon Konten gesperrt. Deine Geschäftsnummer ist dieses Risiko nicht wert.
Schritt 2: Frag nicht „Was ist neu?“, frag „Wer wartet?“
„Was ist neu?“ liefert dir eine Zusammenfassung von allem. Das ist fast so viel Lesestoff wie vorher. Die bessere Frage ist: Wem schulde ich eine Antwort? Dann bekommst du eine kurze Liste statt eines Romans.
Geh meine Nachrichten der letzten [7] Tage durch: Mails, Teams-Chats und Slack [bzw. die angehängten WhatsApp-Exporte]. Finde alle Nachrichten, in denen jemand auf eine Antwort, eine Entscheidung oder eine Lieferung von MIR wartet. Ignoriere Newsletter, Benachrichtigungen, CC-Mails und Gruppenchats, in denen ich nicht direkt gefragt bin. Gib mir eine Liste "Wartet auf deine Antwort", sortiert nach Dringlichkeit: - Wer (Name, Firma oder Gruppe) - Was die Person von mir braucht, in einem Satz - Seit wann sie wartet - Wo die Nachricht liegt (Mail, Teams, Slack, WhatsApp) Ganz oben: die eine Antwort, die heute raus muss. Wenn du dir bei etwas unsicher bist, schreib "unsicher" dazu, statt zu raten.
Beispiel aus dem Beitrag: Ganz oben steht „Kundin Weber: Kommt das Angebot noch diese Woche?“, seit 4 Tagen. Darunter die Treuhand und Lea aus dem Team.
Schritt 3: Lange Gruppenchats in drei Sätzen
418 Nachrichten im Projekt-Chat, und du willst nur wissen, was für dich wichtig ist. Dafür reichen drei Sätze: was entschieden ist, was offen ist, was von dir gebraucht wird.
Fasse den Chat [Name des Chats bzw. die angehängte Datei] seit [Datum] in genau drei Sätzen zusammen: 1. Entschieden: Was wurde beschlossen? 2. Noch offen: Welche Fragen sind ungeklärt, und wer ist dran? 3. Von dir gebraucht: Was erwartet die Gruppe konkret von mir, bis wann? Darunter höchstens drei Zitate mit Datum, Uhrzeit und Absender, auf die sich deine Sätze stützen. Wenn ich nichts tun muss, schreib das ausdrücklich.
Die Zitate sind deine Kontrolle. So siehst du in Sekunden, ob Claude richtig gelesen hat, ohne den ganzen Chat aufzurollen.
Schritt 4: Claude schreibt vor, du drückst Senden
Für die Liste aus Schritt 2 lässt du Claude die Antworten vorschreiben. Mit verbundenem Gmail legt Claude sie direkt als Entwurf in deinem Postfach ab. Sonst kopierst du sie aus dem Chat.
Schreib für jede Person auf der Liste "Wartet auf deine Antwort" einen kurzen Antwort-Entwurf. Regeln: - Mein Ton: [du oder Sie], kurz, freundlich, verbindlich, keine Floskeln. - Höchstens fünf Sätze pro Antwort. - Keine Zusagen zu Preisen, Terminen oder Fristen, die nicht schon in der Nachricht oder in meinen Unterlagen stehen. Wo eine Angabe fehlt, schreib [FEHLT: ...]. - Leg die Entwürfe als Entwurf ab [bzw. zeig sie mir hier im Chat]. Nichts senden.
Zum Abschreiben: der Morgen-Auftrag
Das ist der Auftrag, den ich dir im Beitrag versprochen habe. Alle vier Schritte in einem. Am besten legst du in Claude ein Projekt „Nachrichten“ an und speicherst ihn dort, dann startest du ihn jeden Morgen mit einem Klick.
Guten Morgen. Geh meine Nachrichten seit gestern [Uhrzeit] durch: Mails, Teams-Chats und Slack. [Falls angehängt: auch die WhatsApp-Exporte.] Liefere mir genau drei Listen: 1. WARTET AUF DICH Alle, die auf eine Antwort, Entscheidung oder Lieferung von mir warten. Pro Eintrag: wer, was, seit wann, wo. Sortiert nach Dringlichkeit, die wichtigste ganz oben. 2. ZUSAMMENGEFASST Jeder Gruppenchat und jeder lange Mail-Verlauf mit neuen Nachrichten in drei Sätzen: entschieden, noch offen, von mir gebraucht. 3. KANN WARTEN Alles andere in einer Zeile pro Thema. Newsletter und Benachrichtigungen nur als Anzahl. Danach: Schreib für die ersten drei Einträge aus Liste 1 einen Antwort-Entwurf in meinem Ton, höchstens fünf Sätze, ohne Zusagen, die nicht belegt sind. Fehlende Angaben als [FEHLT: ...]. Wenn du dir unsicher bist, schreib "unsicher" statt zu raten. Nichts senden.
Tipp: Die Uhrzeit oben passt du an, damit du nichts doppelt bekommst. Wer abends noch Mails liest, nimmt „seit gestern 18 Uhr“.
Wichtig: Erst Datenschutz, dann verbinden
In deinen Nachrichten stecken nicht nur deine Daten, sondern auch die von Kunden, Mitarbeitenden und Freunden. Bevor du etwas anbindest, sortierst du nach dieser Ampel:
Der eine Schalter, den du prüfen solltest
In den privaten Plänen (Free, Pro, Max) gibt es unter Settings › Privacy den Schalter „Help improve Claude“ (deutsch: „Hilf mit, Claude zu verbessern“). Ist er an, darf Anthropic deine Chats zum Training nutzen und speichert sie laut eigenen Angaben bis zu fünf Jahre. Ist er aus, gilt die normale Speicherdauer von 30 Tagen. Für deine Nachrichten: ausschalten.
Team- und Enterprise-Konten fallen unter die Geschäftsbedingungen von Anthropic. Dort werden Chats laut Anthropic nicht zum Training verwendet.
Bevor du loslegst
- Die Verantwortung bleibt bei dir. Claude kann eine Nachricht übersehen oder falsch einordnen. Die Liste ist eine Hilfe, kein Ersatz für einen kurzen eigenen Blick auf den Posteingang.
- Vorsicht mit Nachrichten von Fremden. Mails von Unbekannten können versteckte Anweisungen enthalten, die Claude in die Irre führen sollen. Anthropic warnt selbst davor. Noch ein Grund, warum Senden gesperrt bleibt.
- Klein anfangen. Starte mit deinem Postfach. Wenn die Liste „Wartet auf dich“ eine Woche lang stimmt, kommen Teams, Slack oder die WhatsApp-Exporte dazu.
Mein Rat zum Schluss
Du musst nicht mehr alles lesen. Du musst nur wissen, wer auf dich wartet. Nimm den Morgen-Auftrag, lass ihn eine Woche lang jeden Morgen laufen und schau, wie oft du eine Antwort gefunden hättest, die sonst liegen geblieben wäre.
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